Amerika. Für die einen nur ein Land, für mich die halbe Welt.
von Marie Stork
Bereits als ich klein war, lebte ich aufgrund der beruflichen Versetzung meines Vaters für drei Jahre in den Vereinigten Staaten. Und schon damals war es mein größter Traum wieder dort zu leben. Ich wollte mehr von dieser anderen Welt erfahren, mehr kennen lernen und einfach mal eine amerikanische High School besuchen.
Von Traum zu Realität ist der Schritt jedoch nicht immer sehr einfach. Für mich stand immer fest, dass ich in der elften Klasse ein Jahr in die USA gehen wollte, doch desto näher es kam, desto unsicherer wurde ich. Schaffe ich es ein Jahr ganz weg von alldem was mir vertraut ist? Schaffe ich es mich in ein ganz neues Leben zu integrieren, neue Freunde zu finden, auf eine neue Schule zu gehen und zusätzlich noch bei einer völlig fremden Familie zu wohnen? Tausende von Fragen gingen mir durch den Kopf, doch ich wusste, wenn nicht jetzt - dann nie! Diese Chance habe ich nur jetzt und es wird eine der größten meines Lebens sein. Also entschloss ich mich es zu wagen.
Die Zeit verging und plötzlich musste ich Koffer packen. Was zu der Zeit durch meinen Kopf ging lässt sich schwer in Worte fassen. Ich hatte Angst, war aufgeregt, nervös, traurig, aber freute mich gleichzeitig unglaublich auf das was mir bevorstand.
Am 3. September 2009 war es dann soweit. Ich stand in Paderborn am Flughafen und musste mich von meiner Familie verabschieden. Es war bei Weitem nicht leicht, aber es gehörte nun einfach dazu. Von dort an ging es weiter nach Frankfurt. Von Frankfurt nach Chicago und von Chicago weiter nach Saginaw. Und der Moment war da. Meine Gastfamilie hat mich mit einem großen "Welcome Marie"-Poster herzlich begrüßt und mich nach "Hause" gebracht.
Es war nur noch eine Woche bis zum Schulbeginn. Für fünf Tage sind wir dann aufgrund des Labor-Days weg gefahren, die mir sehr geholfen haben die Familie besser kennen zu lernen. Mit meiner Familie verstand ich mich auch sehr gut, doch sie lebten in einem sehr kleinen Haus mit 3 großen Hunden und 3 Katzen auf eine sehr unhygienische Art und Weise, mit der es enorm schwierig war zu leben. Doch zu Anfang ging alles gut.
Meine Schule war mit ca. 400 Schülern nicht die Größte und somit kannte mich relativ schnell jeder. Viele haben mich angesprochen, viele Fragen über Deutschland gestellt und wollten mich kennenlernen. Diese Phase ist glaube ich eine der wichtigsten, da man dort am meisten Kontakte schließen kann - Also habe ich sie genutzt und sofort war ich integriert.
Ich glaube ich bin noch nie so gerne in die Schule gegangen wie in Amerika. Dieses "school spirit" von dem man häufig hört ist unbeschreiblich. Die Schule in Amerika ist nicht wie hier in Deutschland. Sie geht über den ganzen Tag hinweg. Man hat bis 14:45 Uhr Unterricht und danach kann man betreibt man verschiedene Sportarten. Von Basketball, über Fußball, über Schwimmen, hinzu Golf und Bowlen bis zum Baseball, u.v.m. Jeder hat Spaß daran, jeder hält zu jedem und jeder will, dass jedes Team der Schule jedes Spiel gewinnt. Es ist ein unglaubliches Gefühl mit hunderten von Leuten auf einer Tribüne zu sitzen und sein Footballteam anzufeuern. Vor allem die Cheerleader, wie aus einem kitschigen amerikanischen Film.
Nach etwa 4 Monaten ging es dann jedoch nicht mehr so glatt wie vorher. Mir wurde bewusst in was für Verhältnissen ich da wirklich lebte, und wusste, dass dies nicht mehr geht. Diese Zeit des Familienwechsels war die Schwerste in dem ganzen Jahr, wahrscheinlich sogar eine der schwersten Zeiten in meinem ganzen Leben. Ich war auf mich allein gestellt. Keine Mutter, die kurz für mich reden kann, weil ich mich nicht traute, und keine Familie, zu der ich mich zurückziehen konnte.
Außerdem habe ich die Familie sehr ans Herz geschlossen und wollte ihnen natürlich nicht weh tun, doch da musste ich durch. Und letztendlich wohnte ich dann bei einem guten Freund von mir.
Der Rest des Jahres verlief super! Ich habe wundervolle Freundschaften geschlossen, viel unternommen und einfach eine Menge Spaß gehabt!
Was natürlich auch noch ein Highlight war, waren die Bälle. Es gibt insgesamt zwei Homecomings und einen Prom, die sehr traditionell ablaufen. Mein persönliches Highlight war allerdings der Prom, der Abschlussball. Dieser Ball ist nicht wie die Homecomings für alle Schüler der High School, sondern nur für die Abschlussklasse, die Seniors, und die elfte Klasse. Für diesen Ball wird dann von allen Schülern ein Prom King, eine Prom Queen, ein Prom Prince und eine Prom Princess gewhält. Ich hatte hier die große Ehre Prom Queen zu werden. Dieser Ball war also noch einmal ein krönender Abschluss zu dem, was ich bereits erlebt hatte.
Ich hatte in dem Jahr 2009/2010 die beste Zeit meines Lebens und möchte sie für Nichts missen. Ich bin unendlich froh, dass ich es gewagt habe und dieses Abenteuer erleben durfte. Im Nachhinein kann man dieses Jahr nicht mit zwei Worten zusammen fassen, aber eventuell mit einem - unbeschreiblich!
Amerika. Für die einen nur ein Land, für mich die halbe Welt.
Marie Stork
