Parisfahrt
Am Montag dem 04.09.2000 starteten früh morgens die "vereinigten" Französisch- und Latein-Schüler der beiden 10. Klassen, verstärkt durch Frau Holz, Frau Steinkämper und Herrn Zenz mit dem Bus Richtung Paris.
Ein Stau hinter der Egge hielt das ganze Unternehmen bereits nach ca. 20 Minuten über 1,5 Stunden auf; auf der Umgehungsautobahn von Köln wiederholte sich das noch einmal, aber danach ging es zielstrebig Richtung Paris: Aachen - oder besser Aix-la-Chapelle -, Liège, Mons, Namur, Valencienne, Perron, vorbei am Wald von Compiègne und am Parc d'Astérix. Endlich sahen wir die Vorboten der französischen Hauptstadt: die Landebahn des Aéroport Charles de Gaulle, das Stade de France in St. Denis und hin und wieder konnten einige aufmerksame Augen auch schon den Tour Eiffel oder Sacre Coeur sehen.
Unsere Herberge für die nächsten Tage war das Hotel "Résidence Voltaire", das wir nach einer Fahrt über den Périphérique, am Place de la Bastille vorbei schließlich in der Rue Voltaire fanden. Obwohl es sich um ein Zwei-Sterne-Hotel handelte kam für einige der erste Schock schon früh als sie das Hotel und die Zimmer - alle Zimmer mit Bad/Dusche und TV - sahen, aber der erste Eindruck wurde schnell relativiert. Hinzu kam, dass das Hotel eine Métro-Station in unmittelbarer Nachbarschaft hatte, wo wir am selben Abend noch die "carte orange", eine Art Wochenkarte für die Métro und Busse - bekommen haben.
Unser Abendessen haben wir in einem gemütlichen und gastfreundlichen Bistro, ca. 10 Minuten vom Hotel entfernt bekommen. Jeden Abend gab es ein Drei-Gänge-Menü: Vorspeise, Hauptgericht und Dessert; besonders nett war, dass der Wirt auf diejenigen Rücksicht nahm, die vegetarische Kost bevorzugten oder etwas nicht mochten.
Und schon stand die erste große Gewissensfrage an: wollten wir im Hotel abhängen und uns von der strapaziösen Fahrt erholen oder wollten wir uns erste Eindrücke von der französischen Hauptstadt verschaffen? Ungefähr die Hälfte der Mannschaft erwies sich als "Kulturbanausen" und zog es vor zu relaxen; die andere Hälfte brach zusammen mit Frau Steinkämper und Herrn Zenz auf, das Métro-System zu erkunden. Man sollte es nicht glauben, aber wie der Tag angefangen hatte, so präsentierte er sich auch kurz vor seinem Ende: es gab wieder einen Stau, oder besser eine Umleitung in der Métro (!). So mussten wir unsere ursprünglich geplante Fahrtroute ändern, lernten dadurch aber recht schnell das Métro-System kennen.
Ziele unseres kleinen Ausflugs waren die nächtliche Champs-Elysées und der Arc de Triomphe. Kaum waren wir der Métro entstiegen und wieder an der Erdoberfläche, sahen wir auch schon den Triumphbogen in vollem Lichterglanz. Sternförmig gingen in alle Himmelsrichtungen die großen Boulevards ab. Der prächtigste, die Champs Elysées, wurde als nächstes in Augenschein genommen. Vorbei an luxuriösen Geschäften - CD's, Autos, Kleidung, Cafés usw. -, die teilweisen von schwarz gekleideten und muskelbepackten Herren der Schöpfung bewacht wurden ging es zum vereinbarten Treffpunkt, um die Rückfahrt ins Hotel anzutreten und dort "dodo" zu machen, wie der Franzose sagt.
Am Dienstag Morgen haben wir eine Stadtrundfahrt mit einer kundigen Stadtführerin gemacht, damit wir einen Überblick bekamen, die Hauptsehenswürdigkeiten, die Museen etc. sind. Es ging durch das Marais-Viertel, am Place de la Bastille vorbei, auf die Ile de la Cité mit Notre Dame, zum Panthéon, zum Place de la Concorde, zum Trocadéro, zum Tour Eiffel, nach La Défense, um nur einige Stationen zu nennen.Die Rundreise endete am Centre Beaubourg, von wo aus wir in kleinen Gruppen die Gegend erkundeten.
Nach einer kurzen Erholungspause im Hotel und dem Abendessen haben wir das Quartier Latin mit seinen kleinen Restaurants, Andenkengeschäften usw. unsicher gemacht.
Am nächsten Tag war Kultur pur angesagt, zumindest was den Besuch des Louvre anging; nach langem Schlange stehen und Warten sind wir durch lange Flure und große Ausstellungsräume gelaufen, was nicht den Geschmack von allen getroffen hat; einige hatten auch Schwierigkeiten, den verabredeten Treffpunkt wiederzufinden, weil man nicht überall nach Plan gehen konnte, denn einige Bereiche waren gesperrt. Darüber konnte auch das berühmte Lächeln der Mona Lisa nicht hinwegtrösten.
Nachmittags ging's in die Pariser Unterwelt. Im Süden der Stadt lagen die Katakomben: ein unterirdischer Friedhof, auf dem Millionen Skelette liegen, fein säuberlich aufgestapelt und nach Knochen sortiert. Nicht weit von den Katakomben fanden wir per Zufall die Rue Daguerre, die Strasse, die jedem aufmerksamen Leser unseres Schulbuchs bekannt sein müsste, spielen doch da viele der im Lehr-buch beschriebenen Handlungen.
Am Abend stand eine Rundfahrt durch das nächtlich erleuchtete Paris auf dem Programm. Höhepunkt dieser Fahrt waren jedoch weder der wie bei der Millenium-Feier beleuchtet Tour Eiffel noch der Louvre, sondern unser Zusammentreffen mit der französischen Polizei. Ein übereiliger Autofahrer wollte sich an unserem Bus vorbeidrängeln und zog dabei den Kürzeren, d.h. sein Auto war nachher nicht mehr fahrbereit. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, ging es aber weiter.
Trotz akuter Benzinkrise in Frankreich und den in den Medien angesagten massi-ven Protesten der französischen LKW-Fahrer sind wir am nächsten Vormittag nach Versailles gefahren. Dort konnte je nach Interesse eine Führung mitgemacht werden oder das Schloss plus Garten auf eigene Faust erkundet werden. Diejenigen, die von Kultur noch nicht genug hatten, konnten nachmittags das Centre Pompidou besichtigen. Am Abend kam es dann zum musikalischen Höhepunkt der Studienfahrt, als einige Mitglieder unserer Gruppe auf den Stufen vor Sacre Coeur in Konkurrenz zu einem Reggae spielenden Gitarristen traten und den Sitz-Boogie zum Besten gaben.
Am letzten Tag konnten wir uns entscheiden, ob wir ins Musée d'Orsay oder in die Wissenschaftsstadt La Villette - eine Art Dauer Expo im Kleinen - wollten, bevor wir nachmittags Zeit für einen Einkaufsbummel hatten. Abends fand dann noch die für einen Parisbesuch fast obligatorische Fahrt mit einem Bateau Mouche auf der Seine an. Um 22:30 Uhr traten wir die Rückreise nach Horn-Bad Meinberg an, wo wir am nächsten Morgen gegen 7:00 Uhr eintrafen.
