Schulinternes Curriculum im Fach Philosophie - Gymnasium Horn-Bad Meinberg

11.1 Rahmenthema: Einführung in die Philosophie

Kursthema: Einübung in das Philosophieren als Weg in die Philosophie

(Planungsprinzip: gemäß problemorientierten Fragestellungen; LP, S. 48)

Inhalte

Methoden

1. Vom Sich-Verwundern zum Philosophieren

 

- Textfreie Einführung

(mögliche Grundlage: A. Siekmann, Unterrichtsideen Philosophie.

Das freie Problemgespräch im Philosophieunterricht. Klett, 1992)

 

 

 

- freies Problemgespräch

- sokratisches Gespräch

2. Einführung in des philosophische Fragen

 

- Themengleicher Lexikonartikel und philosophischer Text im Vergleich

(mögl. Themen: Tod, Freundschaft, Reisen, Ehe, Gewissen)

- Fragen typisieren und analysieren: Informations-, Entscheidungs-,

rhetorische Frage, Implikationen

- Formulierung eigener philosophischer Fragen (Zusammenstellung

eines Schüler-Fragenkatalogs)

 

 

 

- Textvergleich (spezifisch philosophische

Frageweise)

- sachgerechte Formulierung

philosophischer Fragen

3. Einführung in die Analyse philosophischer Texte

 

- anhand einer grundsätzlichen und beispielhaften philosophischen

Untersuchung; mögliche Themen:

Metaphysik – die Suche nach den ersten und letzten Dingen

(z.B. Schopenhauer zur Metaphysik o. Theorien der Vorsokratiker);

Erkenntnistheorie – Wahrnehmung und Wirklichkeit

(z.B. Russell zu naivem Realismus, Empirismus und Idealismus)

[...]

 

 

 

- Textanalyse:

Formulierung der Textintention, Gliedern

in Sinnabschnitte, Erschließen

argumentativer Grundstrukturen etc.

4. Einführung in die Methodik der schriftlichen Textanalyse

 

- Aufgabentyp: Textgebundene Aufgabe, Typ 1 (LP, S. 78)

(Aufgabe auf der Basis eines philosophischen Textes)

 

 

 

- Linear- und Aspektanalyse, Zitation etc.

5. Auseinandersetzung mit eigenen philosophischen Fragen

 

- Strukturierung des Fragenkatalogs der Schüler entsprechend den

Teildisziplinen der Philosophie

- Auswahl von mindestens zwei Themen aus verschiedenen

Teildisziplinen; Durchführung der gewählten Unterrichtseinheiten, die

sich an den Schülerfragen orientieren

- wenn möglich und angebracht, sollte fachübergreifendes und

fächerverbindendes Lernen berücksichtigt werden

 

 

 

- argumentativ-diskursive Problem- und

Sacherörterung (LP, S. 32)

- literarische Darstellung eines

philosophischen Problems (LP, S. 36f)

- Gedankenexperimente

- kooperatives Arbeiten (LP, S. 37)

6. Ausblick auf die Kurse und Themen in 11.2 bis 13.2

(gemäß den Vorgaben zu den unterrichtlichen Voraussetzungen für die

schriftlichen Prüfungen im Abitur in der gymnasialen Oberstufe 2007)

 

 


11.2 Rahmenthema: Probleme der Bestimmung des Menschen (Philosophische Anthropologie)

Kursthema: Was ist der Mensch? Antworten der Philosophie.

(Planungsprinzip: als Komposition unterschiedlicher, aber zusammenhängender Problembereiche; LP, S. 46)

 

Inhalte

Methoden

1. Was macht den Menschen zu einem besonderen Wesen?

 

- Einstieg über Arbeitsblätter, z.B.: Zwölf Sätze über den Menschen;

Gedichte über den Menschen aus verschiedenen Jahrhunderten

(Gryphius, Claudius, Benn, etc.) ; Collage (Schlemmer)

 

 

 

- Analyse eines nicht-philosophischen Textes

- kreative Verfahren

2. Was unterscheidet den Menschen vom Tier?

 

- Gegenüberstellung naturwissenschaftlicher und philosophischer

Erklärungen (z.B.: Lexikonartikel)

- arbeitsgleiche oder -teilige interdisziplinäre Unterrichtseinheiten zu:

Biologie: Die evolutionäre Herkunft des Menschen (Darwin)

Psychologie: Der Mensch als psychischer Apparat (Freud)

Ethologie: Der Mensch als lachendes Wesen (Hobbes, Schopenhauer, Bergson)

Neurobiologie: Der Mensch als Gehirnwesen (Bewusstseinsforschung)

Soziologie: Der Mensch als Gemeinschaftswesen (Aristoteles)

Geschichtswissenschaft: Ein Wesen mit Geschichte (Schopenhauer)

oder andere Texte und Materialien zum Thema

 

 

 

 

 

- argumentativer Sachtext aus einer

bestimmten Perspektive (z.B.: Descartes

argumentiert gegen einen neurobiologischen

Ansatz)

- fachübergreifendes Arbeiten

3. Was charakterisiert den Menschen als Natur- und Kulturwesen?

 

- Untersuchungen zur Stellung des Menschen im Kosmos (Scheler)

- Kulturanthropologie Gehlens (und deren Kritik durch Adorno)

 

 

- textgebundene Aufgaben, Typ 2

(LP, S. 78: Aufgabe auf der Basis mehrerer

philosophischer Texte)

 

4. Wie frei ist der Mensch?

 

- Widersprüchlichkeiten bei der Betrachtung des Menschen, z.B.:

Willensfreiheit (Der Mensch als Herr seiner Gedanken);

Rationalität (Verwirklichung der Vernunftideen und das Böse);

Erforschbarkeit (Wissenschaftliche Erfassung und die Blackbox)

oder andere Texte und Materialien zum Thema

 

 

 

- problemgebundene Aufgaben, Typ 1

(LP, S. 79: Aufgabe auf der Basis einer

philosophischen Aussage oder mehrerer

philosophischer Aussagen)

- evt.: fächerverbindendes Projekt


12.1 Rahmenthema: Probleme menschlichen Handelns (Ethik)

Kursthema: Das Handeln hinterfragen: Moralität im Spannungsfeld zwischen Normativität

und Reflexion

(Planungsprinzip: als Komposition unterschiedlicher, aber zusammenhängender Problembereiche; LP, S. 46)

 

Inhalte

Methoden

1. Handeln unter verschiedenen Satzungen

 

- Beruf: z.B. Eid des Hippokrates, Pädagogischer Eid (von Hentig)

- Tradition: z.B. Zehn Gebote der Papuas

- Politik: z.B. Zehn Gesetze der nationalsozialistischen Erziehung,

Zehn Gebote sozialistischer Moral

- Religion: z.B.: Dekalog, Pflichten der Muslime, Zehn Gebote des

buddhistischen Mönchs

oder andere Texte und Materialien zum Thema

 

 

 

- Analyse der sprachlichen Struktur von

Weisungen (Gebots-, Verbotscharakter,

Funktion und semantische Valenz von

Modalverben (dürfen, sollen usw.) und

Beteuerungsformeln etc.)

- Verfassen eigener Handlungsanweisungen

2. Einführung in ethische und metaethische Grundbegriffe

 

- Erste Definitionen und Verhältnisbestimmung der Begriffe Norm,

Gebot/Verbot, Verantwortung, Gewissen, Wille, Handlung

 

 

 

- Arbeit mit philosophischen Wörterbüchern

- Erstellen von Mindmaps

3. Ethische Systeme: Zwischen Freiheit und Determination

 

Deontologische Moralphilosophie :

- kategorischer Imperativ: Kant, „Grundlegung zur Metaphysik der

Sitten“, „Kritik der praktischen Vernunft

(Schwerpunkte: Pflicht und Neigung, guter Wille, Vernunft,Abgrenzung

zur „Goldenen Regel“, verschiedene Formulierungen des Imperativs)

 

Philosophische Gegenentwürfe (teleologische Ethik):

Freiheit und Verantwortung:

- Bentham, „Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der

Gesetzgebung“

- Jonas, „Das Prinzip Verantwortung“

- Mill, „Utilitarismus“

- im Leistungskurs: Singer

mögliche weitere ethische Konzeptionen:

Eudämonismus (Aristoteles, Epikur)

Mitleidsethik (Schopenhauer)

Egoismus (Stirner)

Diskursethik (Habermas, Apel)

oder andere geeignete Positionen

 

 

 

- Einübung erlernter Arbeitstechniken

(Anforderungsbereich I (Begreifen):

Erfassen und Wiedergabe von

Sachverhalten und Zusammenhängen;

sorgfältige Begriffsklärung; LP, S. 76)

- Differenzierung der Anforderungsbereiche

II (Erörtern) und III (Urteilen):

Prüfung von Voraussetzungen, Stimmigkeit

und Konsequenzen einer Theorie

(stringentes Argumentieren, LP, S. 76f)

und begründete Stellungnahme

(Rationalität und Kritikfähigkeit, LP, S. 77f)

- evt.: Hinweise zur Facharbeit

 

4. Ethische Konkretion oder Fallbeispiel

 

- Ethische Reflexion eines Problems (angewandter) Ethik anhand eines

aktuellen Falls (z.B. aus den Medien) oder zu: Euthanasie, Todesstrafe,

Folter, Gentechnik, Reproduktionsmedizin etc.

 

 

 

- Essay als kritische Stellungnahme

(LP, S. 36)

- Hinweis auf den Essaywettbewerb

5. Lektüre einer Ganzschrift

 

- Textgrundlage: Platon „Kriton“ (Rechtfertigung des Sokrates)

„Timaios“ (Gliederung des Weltganzen)

Epikur „Brief an Menoikeus“ (Philosophie der Lust)

Seneca „85. Brief an Lucilius“ (Selbsterziehung zum Weisen)

oder andere geeignete Ganzschriften

 

 

 

- Lektüre einer philosophischen Ganzschrift

(oder eines längeren Textauszuges)

- Essay zu Kernsätzen der Autoren


12.2 Rahmenthema: Probleme von Politik, Recht, Staat und Gesellschaft

Kursthema: Das Verhältnis von Individuum und staatlichen Institutionen

(Planungsprinzip: als historisch-systematische Vernetzung; LP, S. 47)


Inhalte

Methoden

1. Staatsphilosophische Grundbegriffe und Grundphänomene

 

- Aphorismen, Zitate zu den Begriffen Recht, Staat, Gesellschaft, Politik

- Zeitungsartikel zu (ungewöhnlichen) Rechtsfällen und Beispielen

staatlicher Machtausübung

- (fiktive) Beispiele für die Organisation des Zusammenlebens

(z.B. mittels eines Films: „The Beach“ oder „Herr der Fliegen“)

 

 

 

- freies Problemgespräch

- Arbeit mit (Fach-) Lexika

- Verfassen eigener Definitionstexte

- evt.: Übungen zur Facharbeit

- Filmanalyse

2. Staatliche Organisation als Wesensbestandteil des Menschen?

 

- Unterscheidung von Naturrecht und positivem Recht (Stoa, Grotius, etc.)

- Menschenrechtserklärungen (z.B. bill of rights (1689), amerikanische

Unabhängigkeitserklärung (1776), déclaration des droits de l’homme

(1789), UNO-Charta der Menschenrechte (1948))

- Handlungsorientierte Auseinandersetzung: Das Inselspiel

 

 

 

- Textanalyse

- Verfassen eigener Gesetzestexte

3. Der Gesellschaftsvertrag als Legitimation politischer Herrschaft

 

Recht und Gerechtigkeit

- Hobbes: „Leviathan“ (Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Rolle des

Souveräns)

- Locke: „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ (Naturzustand,

Gewaltenteilung)

- Rawls: „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (Garantie von Grundfreiheiten)

- von Hayek: „Die Verfassung der Freiheit“ (nur Leistungskurs)

 

- alternative Theorien des Gesellschaftsvertrages:

Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag (Volkssouveränität)

oder andere Texte und Materialien zum Thema

 

 

 

- Textvergleiche und Vergleich

verschiedener philosophischer Positionen

- Vergleichende Erörterung

- evt.: Übungen zur Facharbeit

 

4. Die philosophische Legitimation von Staatsformen

 

- Auswahl entsprechender Unterrichtseinheiten zum Verhältnis von

Individuum und Staat im bzw. in der:

Diktatur (z.B. Hitler)

Monarchie (z.B. Friedrich der Große, Fénélon, Hegel)

Demokratie (z.B. Tocqueville, Jaspers)

Marxismus/Sozialismus (z.B. Marx, Engels)

Anarchismus (z.B. Stirner, Bakunin)

oder andere Texte und Materialien zum Thema

 

 

 

- Arbeit mit Liedertexten

- Internetrecherche

- argumentativer Sachtext: Zwei

historische Autoren im Streitgespräch

5.1 Zukunftsentwürfe und Utopien

 

- Der „ou-topos“ als Raum- und Zeit-Utopie

- Utopien und Dystopien (Platon, Morus, Kant)

- Analyse von Verfilmungen literarischer Utopien oder eines Science-

Fiction-Films (z.B. Orwell, 1984; Huxley, Schöne neue Welt;

Dick/Spielberg, Minority Report; etc.)

 

alternativ:

5.2 Plebiszitäre Elemente: Lösung oder Illusion?

 

- Chancen und Probleme einer direkten Demokratie

- Ziviler Ungehorsam (Thoreau, Gandhi, Habermas)

- Das Projekt Zivilgesellschaft

 

alternativ:

5.3 Lektüre einer Ganzschrift

 

- Platons „Politeia“ – eine Utopie?

Textgrundlage: Platon, Der Staat (Auszüge)

- N. Machiavelli – ein Philosoph Menschen verachtender Macht?

Textgrundlage: N. Machiavelli, Der Fürst (Auszüge)

- Der klassische Marxismus – eine noch aktuelle Utopie?

Textgrundlage: K. Marx/F. Engels: Auszüge zentraler Texte

(z.B. in: Rüdiger Thomas, Marxismus und Sowjetkommunismus, Klett)

oder andere geeignete Ganzschriften

 

 

 

- Gedankenexperiment

- Essaytraining

- Filmanalyse

 

 

 

 

 

 

- Debatte, Podiumsdiskussion

- Essaytraining

 

 

 

 

 

- Lektüre einer philosophischen Ganzschrift