Philosophie

Information zum Fach Philosophie

Philosophie – Die Wissenschaft von der Wahrheit

Diese eindeutige, im zweiten Buch der aristotelischen Metaphysik artikulierte Bestimmung der inhaltlichen Programmatik des Faches, die auf eine Objektivierung des Denkens abzielt, verweist bereits auf ein essentielles Charakteristikum der „mater scientiae“:
Die Philosophie verkörpert im diametralen Kontrast zum heutigen populären Missverständnis die Einheit der Wissenschaften, sie stellt jene unverzichtbare Instanz der Vernunft dar, welche der Vielheit von Partikularwissenschaften überhaupt erst ihre disziplinäre Identität und theoretische Fundierung verleiht. Als Fundamentalwissenschaft, welche allein die Prinzipien von Wissenschaft an sich kritisch zu reflektieren imstande ist und in Gestalt tief schürfender Fragen am Ursprung wie am Endpunkt einer jeden Partikularwissenschaft aufscheint, dabei zugleich – als Begründerin und Hüterin derer gemeinsamen Prinzipien – die Grundlage einer jeden Form von interdisziplinärem Denken und Handeln bildend, erweist sich die Philosophie für eine zukunftsweisende Edukation als unerlässlich: Sie markiert jene rationale Größe außerhalb der Beliebigkeit eines postmodernen Werterelativismus, welche den Schülern in einer unsicherer werdenden Wirklichkeit Orientierung in der Folgerichtigkeit des eigenen Denkens gibt und ihnen ein Höchstmaß an Reflexion ermöglicht.
Das objektive Ziel der Philosophie, welche sich als begriffliches Kompositum aus dem altgriechischen „?????“ (=Liebe) und „?????“ (=Weisheit) herleitet und somit als Liebe zur Weisheit verstanden werden kann, ist die Erkenntnis der Wahrheit.
Diese Erkenntnis gilt es entsprechend zu forcieren. Das setzt eine gründliche Schulung des Denkvermögens und die eingehende Auseinandersetzung mit existentiellen Grundfragen voraus, was im Philosophieunterricht ausführlich erfolgt. Abstraktionsvermögen, Systemdenken, analytisches Vermögen, intellektuale Durchdringung von kausal-teleologischen Sachzusammenhängen, weit reichende Sprachkompetenz, Urteilskraft sowie ein interdisziplinär ausgerichtetes Reflexionspotential sind für das philosophische Betreiben obligatorische Fähigkeiten, welche im fachunterrichtlichen Kontext nachhaltig entwickelt werden und für die Herausbildung eines wahrhaft mündigen Subjekts von großer Bedeutung sind.
Um den „kreativen Sprung in die Reflexion“ bewirken zu können, greift der praktische Philosophieunterricht in den Jahrgangsstufen 9 und 10 in besonderer Weise das unmittelbare Wirklichkeitserleben der Jugendlichen auf, um auf dessen Basis ein eingehendes Hinterfragen vermeintlicher Gewissheiten anzustoßen und eine besondere Tiefgründigkeit in Bezug auf die Realitätsbetrachtung und ihre Implikationen zu erreichen.
Im Unterricht der Sekundarstufe II werden auf einem höheren Abstraktionsniveau zentrale philosophische Inhalte im Kontext folgender Rahmenthemen erarbeitet:
In der Jahrgangsstufe 11.1 erfolgt unter dem Thema „Einführung in die Philosophie“ oder das Gewahrwerden des transzendentalen Verwiesenseins eine vertiefende Reflexion der Prinzipien des Denkens im Sinne einer fundierten Kategorialanalyse, an welche sich im darauf folgenden Habjahr das Rahmenthema „Probleme der Bestimmung des Menschen“, die philosophische Anthropologie, anschließt, wobei unter anderem die Frage von Freiheit und Determination des Menschen sowie die Artikulationsformen seiner metaphysischen Orientierung im Zentrum der Reflexion stehen. Das erste Halbjahr der Jahrgangsstufe 12 befasst sich besonders differenziert mit „Probleme(n) menschlichen Handelns“, der Ethik, im Zuge der Auseinandersetzung mit dieser Thematik werden insbesondere rational begründete Handlungsmaximen erarbeitet sowie weit reichende Überlegungen zum Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft angestellt, im folgenden Halbjahr –welches dem Rahmenthema „Probleme von Politik, Recht, Staat und Gesellschaft“ (Rechts- und Staatsphilosophie) zugeordnet ist– werden systematisch staatstheoretische Konzepte von der Antike bis zur Gegenwart erarbeitet und unter intentionalen Aspekten gleichsam wie in Ansehung kulturhistorischer Determinanten interpretiert. In der Jahrgangsstufe 13.1 werden in erkenntnistheoretischer Perspektive äußerst relevante –sowie für ein adäquates Tiefenverständnis der Zielsetzung von Philosophie obligatorische– Erkenntnisse in Bezug auf Ontologie und Metaphysik gewonnen. Im abschließenden Semester bietet sich –neben einer substantiellen Wiederholung wesentlicher Inhalte als Vorbereitung auf das Abitur– die Möglichkeit, in Abhängigkeit von kursspezifischen Präferenzen aus einem breiteren Spektrum thematischer Akzentuierungen Kenntnis vertiefende respektive –erweiternde Fachgegenstände zu erschließen, beispielsweise zur Geschichtsphilosophie oder Religionsphilosophie, wobei die letztgenannte Option verdeutlicht, dass die Philosophie keinesfalls als Antithese zur Religion zu begreifen ist, da beide den selben transzendenten Bezug haben.