Religion

Besuch des Seniorenzentrums "Am Markt" am 08.10.2009

„Dienst für den Nächsten- Diakonie“, im Rahmen dieser Religions- Unterrichtsreihe von Frau Seibel und Frau Schnake besuchten wir das Altersheim „Am Markt“. Wir wollten wissen, wie der Alltag der Bewohner aussieht und was als „Dienst“ für sie dort von den Mitarbeitern getan wird. Im Unterricht haben wir von den Grundsätzen der tatkräftigen Nächstenliebe gehört, die seit den Anfängen des Christentums zu den Aufgaben kirchlicher Arbeit gehört und somit Gegenstand unseres Unterrichts ist. Doch da man besonders die Betreuung von pflegebedürftigen alten Menschen nicht durch theoretische Texte lernt und begreift, war der Besuch für uns eine spannende Möglichkeit, nun auch die Praxis hautnah kennenzulernen.

Zunächst wurden wir von der Leiterin des sozialen Dienstes, Frau Üpping, herzlich willkommen geheißen, dann folgte eine interessante Führung durch die Räumlichkeiten des Hauses. In der öffentlichen Cafeteria stießen wir auf Hauspapagei „Cora“, der uns ebenso wie die Senioren erfreute. Sogar ein Patientenzimmer durften wir betreten, das von der Bewohnerin mit eigenen Möbeln und persönlichen Erinnerungsstücken gestaltet wurde. Aber auch ein höhenverstellbares Pflegebett sowie das große behindertengerechte Badezimmer gehören zur Ausstattung der Einzelzimmer. Wer gedacht hatte, ein Heim müsste grau und trostlos sein, der hatte sich gründlich getäuscht! Im Gegenteil: alle Räumlichkeiten waren modern, freundlich, hell und in aktuellen warmen Farben gestaltet. Das Farbkonzept des Hauses sieht für jede Etage eine eigene dominierende Farbe für Wände, Deko und Böden vor, damit sich die Bewohner besser orientieren können. Es gibt verschiedene Wohnbereiche, in denen die Menschen je nach Betreuungsbedürfnis gepflegt und versorgt werden. Zum Tagesablauf gehören die gemeinsamen Mahlzeiten in liebevoll dekorierten Speisezimmern oder der öffentlichen Cafeteria mit Restaurant-Charakter, in der man auch ganz normal essen gehen kann. Der soziale Dienst bietet vielfältige Programmpunkte wie basteln oder Gymnastik an, um den Tag zu gestalten. Sogar Urlaubsreisen an die See werden durchgeführt, was immer ein großer Aufwand, aber auch ein großer Spaß ist, wie uns berichtet wurde. Besonders um die an Demenz leidenden (geistig verwirrten) Bewohner müssen sich die Pflegekräfte verstärkt kümmern, damit sich diese im Alltag noch zurechtfinden. Dazu gehört das „Annehmen des ganzen Menschen, wie er ist“, eben auch, wenn er sich nur noch an seine Kindheit erinnert und schon vergessen hat, dass er selbst mal verheiratet war, Kinder hat und nicht mehr gefühlte 13, sondern vielleicht schon 85 ist… .

Es kommt auch vor, dass Bewohner ihre eigenen (längst verstorbenen) Eltern suchen oder „nach Hause“ möchten, obwohl ihre Heimat schon lange im Altenheim ist. Dann lachen oder korrigieren die Mitarbeiter nicht, sondern sie sagen vielleicht : „Oh, sie vermissen wohl Ihre Eltern und sind gerade ziemlich aufgeregt. Aber machen Sie sich keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Wir sind ja da.“ So nehmen sie die Gefühle der Senioren ernst und drücken das aus, was die alten Menschen selbst nicht mehr formulieren können. Ganz wichtig ist es für die Mitarbeiter und ihr Selbstverständnis als Pflegende, dass sie die Würde der Bewohner achten und respektieren und die Menschen immer als vollwertige Erwachsene behandeln. Im Anschluss an die Führung gab es die Möglichkeit, bei leckeren Getränken in etwas beengter, aber gemütlicher Runde unsere vielen Fragen ausführlich zu besprechen. Auch die stellvertretende Heimleiterin Frau Michels-Ries nahm sich für uns Zeit und berichtete aus dem Pflegealltag, zu dem auch das Waschen der Senioren oder das Anlegen und Wechseln von Inkontinenz-Vorlagen (Windeln) gehört. Durch den Vergleich von Babywindeln im Unterricht und den großen Vorlagen im Heim wurde uns ziemlich deutlich, dass es da durchaus größentechnische Unterschiede gibt! Insgesamt war der Besuch für uns alle sehr sehr interessant und informativ und hat auch eine Menge Vorurteile abgebaut. Wir bedanken uns für die Kooperation mit dem Haus "Am Markt" und werden es in bester Erinnerung behalten!

Die 8d